Morenos Philosophie : Der Soziometrische Regenschirm

Psychodrama, Soziometrie & Gruppenpsychotherapie

Die psychotherapeutische Triade nach J.L. Moreno umfaßt Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie. Für ihn stellte dies eine absolute Ganzheit dar, bei welcher keines dieser drei Teile ohne die anderen existieren konnte. Diese drei Komponenten, Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie, gehörten zum „Soziometrischen Schirm". In einem Interview äußerte sich Zerka Moreno im Jahre 1995 wie folgt:

„Für ihn (Moreno) gehören diese Komponenten zu dem soziometrischen Schirm. Zu seinen Lebzeiten war es ihm nicht möglich, die Validität seiner Idee beweisen zu können. Es war seine absolute Überzeugung, daß es ihm möglich gewesen wäre, eine Art Versuchsgemeinde zu schaffen, wenn ihm jemand ein paar Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hätte. Die Soziometrie ist das Übergreifende. Er war der Meinung, daß etwas keine Gruppentherapie sein konnte, so diese nicht soziometrisch ist. Mit wem möchtest Du in eine Therapiegruppe gehen? Wer glaubst Du, kann Dir am besten helfen? Wem glaubst Du, am besten helfen zu können? Suche die Person aus, mit der Du auf der Basis dieser Kriterien zusammen sein möchtest. Er übernahm diese Wahl nicht, sondern wünschte, daß die Menschen selbst lernen, solche Wahlen zu treffen. Er war der Katalysator ..."

Heute zeigt sich „Der Soziometrische Schirm" aufgelockerter und ist leider in drei separate Abteilungen zerfallen. In immer geringerem Maße wird Soziometrie gelehrt. Die Soziometrie mußte anderen psychotherapeutischen Schulen weichen. Das psychoanalytische Psychodrama sowie Gruppenanalyse und Psychodrama sind eindeutige Beweise der Degeneration der soziometrischen Denkweise innerhalb des Psychodramas. Der Soziometrie wurde leider die Position zugewiesen, eine Art Rechenschieber für die Darlegung der Beziehungen innerhalb einer Gruppe zu sein. Das oberste Prinzip des soziometrischen Denkens ist, daß eine Beziehung zwei Enden hat.

„Tele ist nicht nur ein interpersonelles Phänomen zwischen Menschen. Tele ist ein Inter-Phänomen. Das Wort Inter bedeutet zwischen. Tele bezieht sich auf die Distanz zwischen zweien oder mehreren. Tele ist nie einseitig oder subjektiv. Auch wenn es um Autotele, d.h. die Beziehungen innerhalb des eigenen Rollenrepertoires, geht, sind die Beziehungen immer inter, d.h. zwischen zwei Dingen. Tele ist immer eine aktiv wirkende Energie, die zu einer Handlung führt. Beurteilen zu können, in welchem Umfang die eigenen Handlungen adäquat sind, d.h. spontan, beinhaltet eine reflexive Fähigkeit. Als Inter-Phänomen steht Tele im Verhältnis zu einer Dyade, einer Gruppe, einer Welt und dem Kosmos. Tele erstreckt sich weit über unsere übliche Definition von objektiver Wirklichkeit und Relationen zwischen Menschen hinaus." (Interview mit Zerka Moreno von Leif Dag Blomkvist, Februar 1995, Myrtle Beach, SC, USA)

Der Begriff Projektion hat innerhalb des Psychodramas, der Soziometrie und Gruppenpsychotherapie keinen größeren Platz, da die Unterscheidung bewußt — unterbewußt im Rahmen der psychodramatischen Szene und innerhalb des soziometrischen Denkens nicht relevant ist. Auf der Szene herrscht „Surplus reality", mit anderen Worten eine Kreuzung zwischen vielen verschiedenen Wirklichkeiten, in welchen das Bewußtsein des Ichs prioritiert wird. Der Schwerpunkt des soziometrischen Denkens liegt immer darin, Kenntnis über das Verhältnis, ausgehend von beiden Seiten, zu haben, unabhängig davon, ob dies zwischen den Menschen und Gott, zwischen zwei Seiten der eigenen Persönlichkeit, Beziehungen zwischen Gruppen oder zwischen Gesellschaften besteht.

© Leif Dag Blomkvist

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